29.10.2010 21:49
Von Brauereien und Gasthäusern in Bräunlingen
Vortrag im Kelnhof-Museum
Der Vorsitzende des Kulturfördervereins Christof Reiner freute sich besonders, dass Fritz Kalb als langjähriges Vorstandsmitglied des Vereins einen Beitrag zum Programm rund um die Ausstellung einbrachte.
Dass Bier schon eine über 6000 Jahre alte Geschichte hat, wird so manchen verwundert haben. Tatsächlich waren es die die Sumerer, die im Zweistromland von Euphrat und Tigris, dem heutigen Irak, eine Art Bier herstellten. "Es handelte sich wohl mehr um einen Zufall, dass in einem Teigfladen eine Gärung einsetzte und die auch noch von irgend jemandem probiert wurde," so Fritz Kalb. "Mit der heutigen Vorstellung von Geschmack hatte dieses gegorene Getränk auch wenig zu tun. Es war nur berauschend und sehr dickflüssig." Im Laufe der Zeit entwickelten die verschiedenen Kulturen das "Bier" immer weiter: die Ägypter entwickelten sogar eine Art Braukultur. Bei den Römern galt das Bier als „barbarisch“. "Es schmeckte nur den Germanen", wusste Fritz Kalb zu berichten. Doch Bier und vor allem seine Herstellung war häufig Sache der Könige: Mit König Gambrinus von Brabant in Belgien hielt der Hopfen Einzug in den Brauprozess. Kaiser Friedrich Barbarossa machte sogar Qualitätsvorschriften zur Bierherstellung, denn er hatte das Handwerk selbst erlernt. Von ihm stamme auch der Ausspruch: „Bier ist das Getränk das zu unseren Leuten und der Gegend passt.“ Über die Hanse gelangte der Gerstensaft in den Norden. Die Händler transportierten das Bier mit ihren Koggen hoch in den Norden hinauf und kam beladen mit Fisch zurück - der erste Handel mit dem Gerstensaft begann. Und diese Anekdote dürfte so manchem Gast ein Schmunzeln entlockt haben: "Bei einer kriegerischen Auseinandersetzung der Hanse machten die Kosten für Bier 80% der gesamten Kriegskosten aus."
Erst seit gut 500 Jahren gibt es das Reinheitsgebot: 1516 entstand das älteste Lebensmittelgesetz der Welt, seither gilt für Bier: Hopfen, Wasser, Gerstenmalz und später Hefe sind als einzigen Zutaten für "echtes Bier" erlaubt. Heute kreieren die Braumeister in Deutschland aus diesen vier Rohstoffen immerhin die stattliche Zahl von 8000 verschiedene Biersorten.
Immer wieder wurde in der Neuzeit an Verbesserungen im Brauprozess getüftelt. Louis Pasteur entschlüsselte die alkoholische Gärung, Linde entwickelte eine Kühlung mit Kompressoren und Hansen gelang das Züchten von Reinzuchthefe zur Bierherstellung. Damit waren der Industrialisierung des Bieres alle Tore geöffnet. Doch während große Brauerein mit Kältekompressoren arbeiteten und exportierten, begnügten sich die kleinen mit ihren so genannten Eisgalgen. "Das abgeschlagene, 'geerntete' Eis hielt die Eiskeller bis zum nächsten Winter kalt und ermöglichte die Lagerung der Biere," so Kalb in seinen Ausführungen. "Bis 1962 betrieb die Löwenbrauerei sogar selbst noch einen solchen Eisgalgen. Meistens pflegten Maurer als Saisonarbeiter diesen Galgen. Sie arbeiteten so die Biere ab, die sie im Sommer zwar getrunken hatten, aber schuldig geblieben waren."
Geduldig und fachmännisch beantowrtet Fritz Kalb nach seinem Vortrag alle Fragen zu verschiedenen Biersorten und Fachbegriffen. Und schließlich endete ein unterhaltsamer und lehrreicher Nachmittag rund um des Deutschen liebstes Getränk mit einer gemütlichen Verkostung der Bierspezialitäten aus der Bräunlinger Löwenbrauerei.

