10.02.2011 16:39
Braugerstentagung in Laudenbach
Großes Treffen der Landwirte, Mälzer, Brauer, Pflanzenzüchter, Händler und Industrievertreter
Bereits im Januar hatten 90 Landwirte aus dem Main-Tauber-Kreis Braugerstenproben für eine so genannte Braugerstenbonitur (Qualitätsprüfung) zur Verfügung gestellt. Inzwischen wurden 22 Preisträger ermittelt und ausgezeichnet und das Ergebnis der Bonitur bei der Braugerstentagung bekannt gegeben. Insgesamt dürfen die Landwirte mit der Qualität der Braugerste zufrieden sein: Die Proben erreichten durchschnittlich einen Vollgerstenanteil von 90 Prozent und einen guten Eiweißgehalt von 10,2 Prozent. Mit 56 Dezitonnen lag der Ertrag pro Hektar im mittleren Bereich.
Dr. Ulrich Derpa, der Erste Landesbeamte, lobte die Erzeuger: „Hier wird Gerste von hoher Qualität erzeugt.“ Die Braugerste hat im Main-Tauber-Kreis habe noch immer einen hohen Stellenwert, was vor allem am langjährigen Know-How der Landwirte liege, aber auch durch Böden und Klima begünstigt würde.
Bei der anschließenden Fachtagung gaben vier Referenten einen Einblick in aktuelle Themen.
Lothar Ries (Landwirtschaftsamt, Landratsamt Main-Tauber-Kreis) ließ das Braugerstenjahr 2010 Revue passieren. Vor allem der Regen habe den Landwirten zu schaffen gemacht, die Ernte musste immer wieder unterbrochen werden und auch bei der Gerstenqualität mussten die Erzeuger Einbußen hinnehmen. „Erstmals gab es Auswuchsprobleme.“
Berthold Walter sprach für die BAGeno Bad Mergentheim und erläuterte die Notwendigkeit einer sortenreinen Anlieferung. Zudem wünsche das Lagerhaus nur eine begrenzte Anzahl von Sorten und biete inzwischen dreijährige Anbauverträge an.
Alfred Kroiher (Technischer Leiter, Durst-Malz – Bruchsal) beleuchtete den Markt aus der Sicht eines Mälzers. „Derzeit besteht ein hoher Importbedarf an Braugerste.“ Der könne aber nur bedingt über Lieferungen aus Dänemark und Frankreich bedeckt werden, weil auch dort das Marktaufkommen geringer sei. Zudem entfalle Osteuropa dieses Jahr als Importeur komplett und Kanada und Australien seien von Wetterextremen betroffen. Noch zehrt die Malzindustrie von den Überhängen aus der Ernte 2009. Doch ab dem Frühjahr 2011 könnte die Versorgungssituation kritisch werden.“
Klaus Wunderlich (Herbsthäuser Brauerei) appellierte an die Verantwortlichen, Braugerste nicht zu einem Spekulationsobjekt zu machen. Der faire und offene Umgang mit Marktpartnern sollte ebenso wie die Vertragstreue selbstverständlich sein. Wunderlich schwört auf das Regionalitätsprinzip. Sei nCredo: „Aus der Region – für die Region“. Dem entsprechend verarbeite die Herbsthäuser Brauerei ausschließlich Braugerste, die im Taubertal nach anerkannten Anbauregeln produziert und von heimischen Mälzereien verarbeitet wurde. „Damit ist ein regionaler Kreislauf geschlossen, und die Wertschöpfung bleibt in der Region.“
Einig waren sich die Redner darin, dass der Braugerstenanbau auch dieses Jahr kaum steigen wird. Die Gründe: die stark reduzierte Anbaufläche und eine geringere Qualität aus der Ernte 2010. Insgesamt konnte im vergangenen Jahr nur knapp die Hälfte des Ertrages von 2009 eingefahren werden. Die und die gleichbleibende Nachfrage führten zu einem steigenden Preis für Braugerste.
Preisschwankungen waren ein wichtiges Thema für die Erzeuger. Sie bemängelten, dass die vergangenen drei Jahre von starken Preisausschlägen geprägt waren. Um dem Dilemma der Preisschwankungen zu entgehen, empfahl Lothar Ries zwei unterschiedliche Modelle: entweder sollten die Produzenten die bewährte Methode der Vorverträge nutzen oder mehrjährige Verträge abschließen, die Preis garantieren, der sowohl kostendeckend ist als auch einen Anreiz für den Braugerstenanbau biete. „Das ist notwendig, denn in den letzten beiden Jahren ist der Braugerstenanbau in ganz Baden-Württemberg stark zurückgegangen.“ Ein fester Gerstenpreis hätte auch einen stabilen Malzpreis zur Folge, was wiederum den Brauern zugute käme.
Den Fachvorträgen schloss sich eine ausführliche Diskussionsrunde an. Es wurde der Wunsch geäußert, dass der Braugerstenanbau sowohl in der Region Main-Tauber als auch in Deutschland mit einem würdigen und oft ausgelobten Stellenwert erhalten werden kann. Alle Beteiligten wünschten sich eine Glättung der Preisschwankungen, und die Landwirte hofften für die Zukunft auf einen stabilen und fairen Braugerstenpreis.

