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17.05.2007 00:00

Gentechnik-freie Landwirtschaft - ein Beitrag aus der "Schwäbischen Zeitung"

  Bericht aus der „Schwäbischen Zeitung“, überregionaler Teil, über die Podiumsdiskussion in der Brauerei Clemens Härle am Freitag, den 11. Mai 2007:   Allgäuer Landwirte wollen genfrei bleiben LEUTKIRCH – Das Thema Gentechnik ist mit ebenso vielen Ängsten wie Hoffnungen beladen. Das zeigte auch das „Leutkircher Sudhausgespräch“ in der Malztenne der Brauerei Clemens Härle. Die Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Landwirtschaft, Politik und Forschung versuchte, die Bedeutung der Gentechnik für die regionale Landwirtschaft zu erfassen. Heraus kam nur: Die Befürchtungen der Bauern sind groß. Die Bundesregierung hat beschlossen, den Anbau von gentechnisch verändertem Saatgut zu vereinfachen. Ein Gesetz hierzu ist noch für dieses Jahr geplant. Aktuell wird in Deutschland knapp ein Prozent der landwirtschaftlichen Flächen mit gen- Veränderten Pflanzen, in erster Linie Mais, Soja, Raps, Baumwolle und Reis, bestellt. Doch kommt das geplante Gesetz, so wird die Nutzung von gv-Pflanzen (genveränderten) rapide ansteigen – das ist die Angst vielen Landwirte. Die Grüne Gentechnik, wie der für die Landwirtschaft relevante Bereich genannt wird, sei un- Kontrollierbar, ihre Folgen nicht abschätzbar und durch Langzeitstudien völlig unerforscht. Neue Gene sind für neue Enzyme verantwortlich. Sie können ungewollt den gesamten Stoffwechsel eines Organismus umkrempeln. Das Leben sei zu komplex, um abschätzen zu können, welche Folgen die Eingriffe nach sich ziehen, so die Kritiker.   Der Konflikt und die Ängste, die sich um die Grüne Gentechnik ranken, sind ebenso alt wie die Wissenschaft selbst: Wie eng sind Forschung und Verantwortung miteinander verbunden? Die Wissenschaft will für sich die Wege bestreiten, die ihr offen stehen – ohne moralische Schranken. „Die Gentechnik ist weder Segen noch Fluch. Das wird davon abhängen, wie der Mensch mit ihr umgeht“, sagt Andreas Schier, Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen. „Man kann keine Erfindung verbieten. Sie wird kommen, wenn die Zeit und die Möglichkeiten da sind.“ Die Diskussion erinnert an Dürrenmatts „Die Physiker“. Darf ein Wissenschaftler jeden Weg bestreiten, der ihm offen steht? Trägt er Verantwortung für seine Entdeckungen?   „Streit ist unvermeidbar“ „Ich sehe ein wirtschaftliches und soziales Desaster für die Region kommen“, warnt Bärbel Endraß, Biobäuerin aus Wangen und Mitglied des Bündnisses Gentechnikfreie Anbauregion Bodensee-Allgäu-Oberschwaben. „Es gibt keine geregelte Koexistenz zwischen Bauern, die gv-Pflanzen nutzen, und jenen, die keine verwenden. Nachbar wird gegen Nachbar prozessieren. Streit und Vermischungen sind unvermeidbar.“   Zu viele Fragen seien offen und ließen Zweifel keimen. Vorgeschriebene sind in Deutschland Abstände von 20 Metern zwischen zwei Feldern, damit es nicht zu Kreuzungen kommt. Doch was ist, wenn es stürmt? Insekten können Pollen über Kilometer hinweg transportieren und Pflanzen bestäuben. Auch Imker sind in Sorge, denn sie können nicht garantieren, dass ihr Honig genfrei bleibt. Elisabeth Jeggle, CDU-Abgeordnete im europäischen Parlament, sieht als ehemalige Bäuerein die Ängste der Region, dennoch werde die Grüne Gentechnik kommen: „Jeder Landwirt soll so anbauen, wie er es will – das heißt auch mit gentechnisch verändertem Saatgut.“   Genau in dieser Aussage könnte jedoch die Hoffnung der Region liegen: Wenn die Anlehnung gegenüber der Gentechnik so groß ist, wie es sich am Abend der Podiumsdiskussion zeigte, werden gv-Pflanzen nicht nach Baden-Württemberg kommen, denn jeder Bauer entscheidet selbst, welches Saatgut er verwendet. (Aus: „Schwäbische Zeitung“, Ausgabe vom 14. Mai 2007.)

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